Es klingt durchaus kurios, entspricht jedoch der Wahrheit: Im Sommer 1970 kam es südlich von München zu einer Art Startschuss für die Gymnastikabteilung des SV Dörfleins. Die Ehefrauen einiger Altherren-Kicker wollten es ihren Männern dabei ursprünglich gleich tun und auf dem Fußballplatz fortan auch um Tore und Siege kämpfen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis das rollende Leder auch schon wieder eingetauscht wurde – gegen Gymnastikbänder und Hula-Hoop-Reifen.
Alles begann auf dem Fußballplatz
Eine stattliche Zuschauerkulisse kam in Starnberg zusammen, als der SV Dörfleins mit seiner neu aufgestellten Damenmannschaft zu einem Freundschaftsspiel gegen die heimische Freie Turnerschaft von 1909 antrat. Das Fußballspiel war in der örtlichen Presse groß angekündigt worden. Zuvor schon hatten die Dörfleinser Fußballfrauen, die größtenteils die Ehefrauen der damaligen Alten Herren gewesen waren, über mehrere Wochen trainiert und eifrig Regelkunde betrieben. Die Mühen sollten sich auszahlen, denn an jenem Tag im Sommer 1970 ging der SV Dörfleins am Ende tatsächlich als Sieger vom Feld. Noch einige weitere Male fand sich die SVD-Damenmannschaft in den darauffolgenden Wochen und Monaten auf dem Fußballplatz zusammen, um Freundschaftsspiele abzuhalten. Gespielt wurde dabei in der Regel auf Kleinfeld, auch die Anzahl an Akteurinnen war geringer als bei den Männern – unter anderem, weil es einfach nicht so viele Fußballerinnen gab.

Vom Rasen in die Sporthallen
Aufgrund des immer größer werdenden Interesses an der Gymnastik schlief der Frauenfußball beim SV Dörfleins allerdings ziemlich schnell wieder ein. Jedoch verbrachte die inzwischen eingeschworene Truppe rund um die engagierte Hildegard Braun auch weiterhin gerne Zeit miteinander. Fortan traf man sich aber nicht mehr auf dem Rasen, sondern im Gymnastiksaal der Schule in Dörfleins. Viel Platz war darin nicht, sodass man immer wieder mal in die Natur – unter anderem zu Trimm-Dich-Pfaden – ausweichen musste. Im Jahr 1975 konnte die Gymnastikgruppe dann endlich in die deutlich größere Schulturnhalle der Hans-Schüller-Schule Hallstadt umsiedeln. Nun war den Trainerinnen die Möglichkeit geboten, die Übungsstunden etwas abwechslungsreicher zu gestalten. Neben Ski- und Jazzgymnastik wurden jetzt auch diverse Ballspiele und dergleichen durchgeführt.

Aktionen lockten Mitglieder an
Um zudem die Geselligkeit zu stärken, führte die Gymnastikabteilung ab Mitte der 70er-Jahre dann auch noch weitere Aktionen durch, wie beispielsweise einen jährlichen Tagesausflug. Meistens ging es dabei mit einem Bus fort zum Wandern und zur anschließenden Einkehr in lokale Gaststätten. Der Zusammenhalt der ursprünglich aus wenigen Fußballerinnen gegründeten Gymnastikgruppe wuchs dadurch stets weiter an. Weitere Aktionen, wie ein monatlicher Kegeltreff oder die Durchführung von eigenen Faschingsbällen, riefen bald immer mehr Interessentinnen herbei. Ende der 1980er-Jahre knackte die Abteilung schließlich erstmals die Marke von 100 Mitgliedern.
