1977 | Der SV Dörfleins wird erstmals Bezirksligist

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Nach vier Jahren in der Kreisliga, in denen sich die erste Fußballmannschaft nach jeder Saison ein Stück weit verbessern konnte, kam es im Sommer 1977 zum bis dahin größten Erfolg in der gesamten Vereinsgeschichte. Mit dem Aufstieg in die Bezirksliga machte sich der SV Dörfleins auf zu neuen Ufern.

Vom Abstiegs- zum Aufstiegskandidaten

Fast ein ganzes Jahrzehnt harrte die erste Mannschaft des SV Dörfleins in der Kreisklasse aus, ehe 1973 endlich die Rückkehr in die Kreisliga gelang. Dort war aller Anfang schwer. Der Truppe von Trainer Rudolf Reitzner gelang es dennoch, im ersten Jahr knapp den direkten Klassenerhalt zu schaffen. Weiterhin nur gegen den Abstieg spielte man in den beiden Folgejahren unter der Leitung von Josi Scharold und Jürgen Winkler, in denen jedoch ein leichter Aufwärtstrend zu erkennen war. Als Herbert Winkler im Sommer 1976 das Traineramt übernahm, begann für den SVD eine aufregende Reise, die mit dem Aufstieg in die Bezirksliga gekrönt werden sollte.

Trainingseinheit des SV Dörfleins vor dem entscheidenden Relegationsspiel gegen den SV Rothenkirchen.

Bis zum Saisonfinale hochgearbeitet

Auch in der Saison 1976/1977 sah es zunächst so aus, als müsse der SV Dörfleins vorrangig um den Klassenerhalt mitspielen. Von den ersten sechs Partien wurden vier – teilweise torreich – verloren, die Zugehörigkeit zur Abstiegszone war die Folge. Doch mit Beginn eines goldenen Oktobers sollte sich das Blatt auf einmal wenden. Die Grünweißen starteten einen Lauf und konnten bis zur Winterpause auf den siebten Rang hochklettern, sich sogar ein Punktepolster nach unten erarbeiten. Und auch mit Beginn der Rückrunde im Februar 1977 ebbte die Erfolgsserie der Winkler-Elf nicht ab, die am 24. Spieltag – sechs Wochen vor Saisonende – plötzlich auf dem Aufstiegsrelegationsplatz zwei zur Bezirksliga stand.

Punktgleich mit der DJK Don Bosco Bamberg und drei Zähler hinter dem SV Memmelsdorf/Ufr. galt es in den verbleibenden Spielen nun, diesen zweiten Platz mindestens weiter zu behaupten. Nach drei weiteren Siegen an den Spieltagen 25 bis 27 sah die Ausgangslage sogar nochmal deutlich besser aus, selbst der erste Rang war noch möglich. Die letzten drei Spieltage bremsten die Euphorie in Dörfleins allerdings wieder etwas, denn zum Saisonabschluss fuhr man lediglich noch drei Unentschieden ein. Schlussendlich knapp, mit nur einem Punkt Vorsprung, war die Teilnahme an der Relegation aber dennoch gesichert.

Durch eine starke Rückrunde sicherte sich der SV Dörfleins das Ticket für die Relegation zur Bezirksliga.

Der erste Akt des Aufstiegskrimis

Damals wie heute war die Relegation eine nervenaufreibende Angelegenheit. Seitens des SV Dörfleins war 1977 klar, dass man zwei Spiele gewinnen musste, um sich das Ticket für die Bezirksliga zu sichern. Zunächst musste man in Burgkunstadt gegen den TSV Coburg-Scheuerfeld antreten, der seinerseits Vizemeister in der Kreisliga Coburg/Lichtenfels geworden war. Etwa 800 Zuschauer fanden sich ein, um sich ein kampfbetontes Aufstiegsspiel zweier spielerisch guter Mannschaften anzusehen. Dörfleins startete gut, ließ erst mit Ende der ersten Halbzeit erste Scheuerfelder Chancen zu. In der 66. Minute gelang Andy Höpfner schließlich per Kopf das goldene Tor an diesem Nachmittag, mit dem sich der SVD in die zweite, alles entscheidende Relegationsrunde schoss.

Die 66. Spielminute – Andy Höpfner (liegend) erzielte soeben das Tor zum 1:0 gegen den TSV Coburg-Scheuerfeld.

Einmal Höpfner, zweimal Winkler

Eine Woche später, am 02. Juli 1977, war es schließlich so weit und der Tag der Entscheidung war angebrochen. Dörfleins traf auf den Vizemeister der Kreisliga Kronach, den SV Rothenkirchen. Vor 1.000 Zuschauern erwischte diesmal der Gegner den besseren Start, der in der 29. Minute den Führungstreffer erzielte. Schnell jedoch konnte die Partie wieder ausgeglichen werden, denn Andy Höpfner schloss in der 32. Minute, erfolgreich aus der Drehung, zum 1:1 ab. Im zweiten Spielabschnitt drehte Jürgen Winkler die Begegnung durch einen Doppelpack in der 50. und 69. Minute endgültig, sodass der Aufstieg in die Bezirksliga nun zum Greifen nah war. Per Elfmeter verkürzte Rothenkirchen elf Minuten vor Schluss allerdings nochmal, sodass die Dramatik in den Schlussminuten ihren Höhepunkt erhielt. Letzten Endes sollte der SVD aber kein drittes Gegentor mehr zulassen und der größte Erfolg der Vereinsgeschichte war gegen 17:45 Uhr perfekt.

Die Bezirksliga-Aufsteiger von 1977.

Der ganze Ort im Ausnahmezustand

Sofort nach dem Schlusspfiff fielen sich Spieler, Fans und Betreuer auf dem Platz in die Arme. Es folgten Szenen der Glückseligkeit, die im weiteren Verlauf des Tages kaum einzudämmen waren. Nach ersten Feierlichkeiten in Burgkunstadt, fuhr die Siegermannschaft mittels Autokorso und mit drei überfüllten Fan-Bussen zurück nach Dörfleins. Dort angekommen, wurde Trainer Herbert Winkler, für den nach dieser Saison Schluss beim SVD gewesen war, auf Schultern ins Sportheim getragen. Dies stellte den Auftakt einer langen Partynacht dar.

Der Festsaal im Sportheim platzte an diesem Abend aus allen Nähten. Vorstand Erwin Braun nutzte dennoch die Gelegenheit, allen Spielern und Anhängern für das Geleistete zu danken. Zugleich verabschiedete er Herbert Winkler mit einem Präsent. Und dann legte die Band „Happy-Jack“ so richtig los, die der Partymeute bis in die frühen Morgenstunden ordentlich einheizte. Im Nachgang an die Feierlichkeiten empfing Bürgermeister Karl Popp die Aufstiegshelden noch einmal im Hallstadter Rathaus. Dort stand ein weiterer offizieller Festakt, verbunden mit der Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Hallstadt, bevor.

In Form eines Autokorsos kehrten Spieler und Fans vom entscheidenden Relegationsspiel aus Burgkunstadt zurück.

Das Loben und Mahnen des Vorstands

Erwin Braun, seinerseits stets zukunftsorientiert denkend, resümierte im Dörfleinser Sportspiegel vom August 1977 schließlich noch einmal, was der Aufstieg für den Verein und sein lebendiges Umfeld bedeuteten. „Sicher hat [das] dazu beigetragen, den SV Dörfleins noch populärer zu machen und die weitere Entwicklung des Vereines zu fördern. Ein Sportverein braucht ohne Zweifel neben der Breitenarbeit auch Spitzenleistungen“, schrieb er. Zugleich mahnte er jedoch auch, sich nicht auf dem erreichten Erfolg auszuruhen und immer weiter fokussiert zu bleiben: „Wir sollten und dürfen ganz einfach nicht überheblich werden und sollten auch in Zukunft ruhig und besonnen weiterarbeiten. Denken wir daran, wie eng Freud und Leid auch im Sport beieinander liegen!“

Für den SV Dörfleins war das Abenteuer Bezirksliga nach dem Folgejahr dann wieder beendet. Lediglich zwei Saisonsiege sowie neun Unentschieden waren zu wenig, um den Klassenerhalt zu schaffen. Es sollte exakt 30 Jahre dauern, ehe Grünweiß wieder in die Bezirksliga zurückkehrte.


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