2017 | Der Wahnsinn von Neuensee

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In einem dramatischen Relegationsspiel machte der SV Dörfleins im Jahr 2017 den Wiederaufstieg in die Bezirksliga dingfest. Zwischenzeitlich lag die Mannschaft um Spielertrainer Mario Herrmannsdörfer mit 0:2 gegen den SV Coburg/Ketschendorf zurück. Eine nie dagewesene Aufholjagd machte die Partie in der Folge jedoch unvergesslich.

Hinter Würgau in die Relegation

Im Jahr 2016 war der SV Dörfleins nach acht Jahren aus der Bezirksliga Oberfranken West abgestiegen. Die Mannschaft von Spielertrainer Mario Herrmannsdörfer wagte es in der darauffolgenden Kreisliga-Saison, den direkten Wiederaufstieg anzugehen. Der Auftakt in das Spieljahr 2016/2017 verlief noch etwas zaghaft, dann aber wurden die Ambitionen immer konkreter. Am Ende des Jahres stand lediglich der SV Würgau vor den Dörfleinsern, sodass zumindest die Qualifikation zur Relegation perfekt gemacht werden konnte.

In dieser wurde der SVD gleich dreimal gefordert. Runde eins ging gegen die SpVgg Stegaurach, die in Memmelsdorf mit 3:0 (0:0) besiegt werden konnte. Es folgte ein Spiel gegen den FSV Unterleiterbach, den man im strömenden Regen von Breitengüßbach ebenfalls mit 3:0 (1:0) bezwang. Im Endspiel um die Bezirksliga wartete nun der Vizemeister des Spielkreises Coburg, der SV Coburg/Ketschendorf.

Gespannt schauten die Zuschauer auf das Spielfeld von Neuensee.

Ein unvergesslicher Spielverlauf

Donnerstag, der 8. Juni 2017. Über 1.000 Zuschauer waren an diesem Abend nach Neuensee bei Lichtenfels gekommen, um sich das alles entscheidende Relegationsspiel anzusehen. Es sollte ein heißes Duell mit vielen Fouls, Platzverweisen und immenser Spannung werden. Nach einer vorauszusehenden Abtastphase zwischen beiden Mannschaften gelangen die ersten beiden Treffer des Spiels dem Gegner, der zur Halbzeitpause mit 2:0 führte. Zwei Sonntagsschüsse waren es, die Patrick Eberlein im Tor keine Chance ließen.

Dank einer unglaublichen Leistung in der zweiten Halbzeit schaffte der SV Dörfleins schließlich aber, auf was alle nach dem bitteren 0:2-Rückstand gehofft hatten: Philipp Ramer nutzte in der 57. Minute einen Abwehrfehler gnadenlos aus und netzte zum 1:2-Anschluss ein, wodurch die Euphorie vollends zurückkam. Es folgte eine halbe Stunde, die einzig und allein dem SVD gehören sollte. Der Druck auf die Coburger wuchs von Minute zu Minute. Durch ein wiederholtes Foulspiel musste Sebastian Ott in der 72. Spielminute mit Gelbrot vom Feld, was die Dörfleinser jedoch nur noch mehr anspornte. In der 87. Minute stellte schließlich ein langer Ball von Toni Nürnberger die Ketschendorfer Defensive vor Probleme, was erneut Philipp Ramer in die Karten spielte. Viel umjubelt konnte er seinen zweiten Treffer des Abends markieren und den SVD somit in die Verlängerung retten.

Über 1.000 Zuschauer wollten sich das Spiel nicht entgehen lassen.

Die Wende in der 107. Minute

Der SV Dörfleins spielte in diesem Duell insgesamt 50 Minuten in Unterzahl. Davon war jedoch nicht wirklich viel zu sehen, da die Ketschendorfer, je länger das Spiel dauerte, immer müder wirkten. In der 107. Minute der Partie war es schließlich so weit und das wohl größte Fußballwunder der Vereinsgeschichte wurde endgültig Realität: Wer sonst als Philipp Ramer vollstreckte den Ball zum 3:2 ins Netz, nachdem er von Spielertrainer Mario Herrmannsdörfer bedient worden war. Die Spieler rannten in Richtung der tobenden Fankurve, der Torschütze zog sein Trikot aus und hielt es in die Luft, die Bankspieler kamen angerannt und der Jubel kannte keine Grenzen mehr. Doch noch waren 13 Minuten auf der Uhr – und die sollten lang werden. Vor allem die Zeit ab der 117. Minute schien endlos zu dauern, nachdem nun auch noch Max Markewitz mit einem Platzverweis vorzeitig vom Feld musste. Mit neun Mann musste der SVD nun gegen elf Ketschendorfer ankämpfen, die natürlich noch einmal alles nach vorne warfen.

Inzwischen lief die Nachspielzeit. Christian Reuß bewegte den Ball und hielt das Leder an der gegnerischen Eckfahne. Dabei endlich folgte die pure Erlösung für alle, die es mit dem SV Dörfleins hielten. Der klassische Dreifach-Pfiff ertönte, das Spiel war vorbei, der Aufstieg damit perfekt. Sofort stürmten Auswechselspieler und Fans das Grün von Neuensee, um zusammen mit der Mannschaft zu feiern. Trainer, Spieler und Fans lagen sich in den Armen, Aufstiegsshirts wurden verteilt, Thomas Datscheg sorgte mit seinem Akkordeon für eine passende musikalische Untermalung. Dörfleins kannte kein Halten mehr.

Philipp Ramers Siegtreffer zum 3:2 noch einmal zum Genießen. (Quelle: anpfiff.info)

Ein Sommernachtsfest in Neuensee

Nachdem die ersten Jubelchöre verklungen waren und sich das weitere Party-Geschehen vom Rasen wegbewegte, fanden sich alle Dörfleinser am Sportheim des VfB Neuensee ein, dessen Organisatoren nun die Musikboxen aufdrehten und die ersten Liedwünsche erfüllten. Nach noch rund einer Stunde vor Ort ging es dann auf die Heimreise. Einige der Aufstiegshelden ließen es sich nicht nehmen, mit dem extra organisierten Fanbus zurück nach Dörfleins zu fahren.

Um kurz nach elf kam dieser schließlich auf dem heimischen Sportgelände an, wo das Team von mehreren Fans begrüßt und gefeiert wurde. Natürlich sollte die eigentliche Feier erst jetzt beginnen und bis in die Morgenstunden andauern. Noch an diesem Abend wurde außerdem eine Traktorfahrt durch Dörfleins organisiert, die tags darauf durch den Ort rollen sollte. Zahlreiche Schaulustige ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.

Die Freude über den Aufstieg kannte keine Grenzen.

anpfiff.info vermeldete Rekordzahlen

Wie im Nachgang klar wurde, war das Spiel zwischen dem SV Dörfleins und dem SV Coburg/Ketschendorf das erfolgreichste, das bis dahin jemals beim Fußballportal anpfiff.info geklickt wurde. Mit insgesamt über 14.000 Aufrufen allein im Raum Bamberg stellte die dritte Relegationsrunde 2017 alle bisherigen Rekorde des Fußballportals in den Schatten. Für den SVD begann nun noch einmal das Abenteuer Bezirksliga, das exakt ein Jahr andauern sollte.


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